Biodiversität· Praxisnotiz· 9. Jul 2026· 2 Min. Lesezeit

SpecDex: das Handy wird zum Naturscanner

Bitten Sie eine Schulklasse, zehn Markenlogos zu nennen — niemand zögert. Fragen Sie nach zehn heimischen Vögeln, und der Raum wird still. Diese Lücke hat einen Namen — schwindende Artenkenntnis — und sie ist gut belegt. Sie hat auch eine Folge, die Konrad Lorenz vor Jahrzehnten klar benannte: Der Mensch schützt, was er liebt, und liebt nur, was er kennt. Wenn die nächste Generation die Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür nicht erkennt, wird sie sie auch nicht verteidigen.

In dieser Geschichte spielt das Handy meist den Bösewicht. Gemeinsam mit der Porini Foundation, einer gemeinnützigen Schweizer Naturschutzstiftung, haben wir den Spiess umgedreht — und das Gerät, das ohnehin in jeder Tasche steckt, zu einem Grund gemacht, nach draussen zu gehen.

Scannen, sammeln, duellieren

SpecDex ist eine mobile-first Web-App ohne Installation — Link öffnen, kein App Store, kein Download. Sie folgt einer einfachen Schleife.

Scannen. Eine Spielerin fotografiert eine echte Pflanze oder ein echtes Tier. Eine KI-Bildanalyse (Google Gemini) bestimmt die Art und liest ihre ökologischen Merkmale — Lebensraum, Seltenheit, Rolle im Nahrungsnetz.

Sammeln. Der Fund wird zu einer illustrierten Kreaturenkarte mit ökologisch echten Werten: Bestäuber oder Räuber, einheimisch oder invasiv, Produzent oder Pflanzenfresser. Die Karte ist ehrliche Biologie, keine Fantasie — und füllt die persönliche Artensammlung.

Duellieren. Freunde treten in freundschaftlichen Kartenduellen an, entschieden durch echte Beziehungen im Nahrungsnetz — der Räuber schlägt seine Beute, die invasive Art überrennt die einheimische, der Bestäuber stärkt den Produzenten. Kein Pay-to-win, kein Zufall als Versteck: Wer die Ökologie kennt, gewinnt.

SpecDex auf einem Handy
Eine echte Art scannen — und sie wird zur ökologisch echten Sammelkarte, direkt im Browser, ohne Installation.

Gebaut, um nach draussen zu schicken — und die Spielenden zu schützen

Ein Spiel, das Kinder nach draussen bringt, darf sie nicht am Bildschirm festhalten. Deshalb ist SpecDex bewusst nicht suchterzeugend: Serien kommen mit einem wöchentlichen «Vergebungs-Schild», damit ein verpasster Tag nie bestraft, und die täglichen Quests sind deterministisch — keine Reroll-Tretmühle, keine manipulativen Schleifen. Der Sog soll der Wald sein, nicht die Benachrichtigung.

Weil viele Spielende minderjährig sind, ist Datenschutz von Anfang an mitgedacht. Nur Pseudonyme, nie echte Namen. Fundorte seltener Arten bleiben verborgen, um Wilderei zu verhindern. Und ein DSGVO- und nDSG-konformer «Klassen-Modus» hält Schülerinnen und Schüler aus jeder globalen Rangliste heraus. Es gibt keine Blockchain und keine NFTs — eine Designentscheidung, kein Versehen.

Jeder Scan leistet doppelte Arbeit: Er reichert einen anonymisierten lokalen Biodiversitätsdatensatz an und macht aus einem Klassenspaziergang echte Bürgerwissenschaft. SpecDex spricht vier Sprachen — Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch — und ist heute gebaut, live und funktionsfähig unter gameify.operal.tech.

Wald
Das echte Spielfeld: die Biodiversität vor der eigenen Haustür.

Geben Sie einem Kind eine Karte für den Spatz, den es gerade gefunden hat — und Sie haben ihm einen Grund gegeben, nach dem nächsten zu suchen.

Aus einer Schlagzeile ein System machen?

Genau das tun wir — konform, in der Schweiz gehostet, auditfähig.

Beratung buchen →2-Minuten-Readiness-Check
← Alle Beiträge